Select Page

Zwischen Danzig und Allenstein: Unbekannte Schönheiten in nächster Nähe

von | Sep 13, 2016 | Europa, Reise | 0 Kommentare

Der Norden Polens ist für viele Deutsche ein unbeschriebenes Blatt. Danzig kennt man, klar. Dazu Sopot oder Westerplatte. Aber sonst?

Eigentlich ist der Norden Polens von Deutschland aus ein ideales Reiseziel. Mit dem Auto braucht man von Berlin aus etwa sechs Stunden, mit dem Flieger dauert es nur ein bis zwei Stunden, bis man in Danzig landet. Mietwagen sind günstig, wie vieles in der Gegend. Und es gibt vier Golfplätze zwischen Danzig und Allenstein (Olstzyn), teilweise mit absolut internationalem Format. Warum also ist das ehemalige Ostpreußen als Ferienregion relativ unbekannt?

Polen besteht aus 16 Woiwodschaften. Danzig ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern (Pomorskie) und Allenstein die der Woiwodschaft Ermland-Masuren (Warmińsko-Mazurskie). Als Ausgangspunkt eines Besuchs bietet sich Danzig an, eine der schönsten Städte der gesamten Ostseeküste. Vom modernen Flughafen ist man in wenigen Minuten im Zentrum der Stadt, ob per Auto oder mit einer modernen Bahn. Flughafen und Bahnlinie wurden 2012 im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft eingeweiht.

Mazury Golf

Danzig war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört worden – sehen wird man davon im Zentrum wenig. Die Häuser sind liebevoll restauriert und ein Bummel durch die Straßen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Genuss. Hier tut sich irre viel, im Moment baut man gerade an einem neuen Bezirk östlich der Altstadt, in dem alte Speicher liebevoll restauriert werden. Hier entstehen neben dem neuen Schifffahrts- und Bernsteinmuseum auch Hotels und Restaurants. Überhaupt: Hotels gibt es in Danzig wie Sand am Meer. Man merkt, dass man sich hier in einer jungen, aufstrebenden und pulsierenden europäischen Stadt befindet, und kann sich ihrer Dynamik kaum entziehen. Unbedingt sehenswert sind die Altstadt und das 2014 eröffnete Europäische Zentrum der Solidarność. Der Komplex an der Danziger Werft beherbergt ein sehr sehenswertes Museum zur Solidarność-Bewegung unter Lech Walesa.

Danzig (Gdansk)
Neben einer Besichtigung der traumhaften Altstadt bietet sich eine Schifffahrt nach Westerplatte an. Zudem hat Danzig ein pulsierendes Nachtleben und ist bekannt für Bernstein. Es gibt ein sehenswertes Bernsteinmuseum.
Etwas außerhalb des Zentrums liegt das Europäische Zentrum der Solidarność. Eine sehenswerte Ausstellung zeichnet die Zeit der Bewegung multimedial nach und erzählt viel über den Umbruch in Europa in den Jahren um 1990. Unbedingt ansehen!

Die Stadt ist wunderschön – und was ist mit Golf? Ja, auch golfen kann man hier hervorragend. Etwa eine Stunde nordwestlich, in Wejherowa, liegt der Sierra Golf Club. Der Platz ist erst einige Jahre alt und wurde, wie meist in Polen, von einem Privatmann gegründet und gebaut. Der 18-Loch-Championship-Platz bietet wirklich alles, was man von einem modernen Golfplatz erwartet. Anspruchsvolle Löcher, bei denen teilweise Wasser ins Spiel kommt und es immer wieder rauf und runter geht. Dazu sorgen tolle Trainingsmöglichkeiten und ein opulentes Clubhaus für internationales Flair. Hier kann man top ausgestattete Appartements direkt am Platz mieten und wenn man abends im Clubhaus am Kamin sitzt, fühlt es sich an, als sei man in Schottland.

Das weiß man übrigens auch in Skandinavien: Während unseres Besuchs war der Platz gut von Schweden und Dänen besucht, die per Fähre eine entspannte Anreise haben und die günstigen Preise, nicht nur für Alkohol, schätzen. Überhaupt, die Preise: Diese sind ein großes Plus bei einer (Golf-)Reise nach Polen. Eine Runde Golf kostet hier, auf dem teuersten der vier besuchten Plätze, am Wochenende 58 Euro. Ein großes Bier vom Fass gibt es für 1,50 Euro und ein Abendessen für zwei kostet etwa halb so viel wie in Deutschland. Ende Juli gewann hier übrigens der Deutsche Hinrich Arkenau die LOTOS Polish Open, ein Event der Pro Golf Tour.

Auf dem Weg von Danzig nach Norden sollte man übrigens unbedingt einen Abstecher nach Sopot einlegen. Das mondäne Seebad ist reich an Geschichte und verzaubert seine Besucher mit vielen wunderbaren Gebäuden aus der Jahrhundertwende, jeder Menge Restaurants und Cafés, einer Fußgängerzone mit schicken Läden und internationalem Publikum. So gut wie jeder polnische Star, so gut wie jeder Pole, der Geld hat, besitzt hier ein Haus oder eine Wohnung. Hier liegen die Preise für Zimmer und Restaurants dann auch selbstredend deutlich höher als anderswo.

 

Allenstein (Olsztyn)
Das pulsierende Städtchen bildet das Zentrum der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gibt eine schöne Burg und eine kleine Altstadt, wunderbar ist aber v. a. die Lage der Stadt mit ihren Wäldern und zwölf Seen. Unbedingt an einen der Seen fahren, dort essen und den Tag genießen!

Der zweite „Danziger“ Golfplatz findet sich etwa 30 Minuten westlich des Stadtzentrums beziehungsweise 40 Minuten südlich vom Sierra Golf Club. Der Tokary Golf Club ist sicher der ursprünglichste der vier Plätze Nordpolens und der einzige, der ein echter Verein ist. Brandneu als 18-Loch-Platz geführt, wartet er mit einigen außergewöhnlichen Löchern auf. Es geht stramm bergauf und bergab, viele blinde Anspiele, kleine Grüns und zuweilen Wasser erfordern etwas Mut. Skurril sind zwei Löcher, die direkt aufeinander folgen: Zunächst führt ein kurzes Par 5, das etwas bessere Herren problemlos mit zwei Schlägen erreichen können, den Berg hinab – wer schon immer mal ein Eagle spielen wollte, ist hier richtig. Zurück geht es den gleichen Berg wieder hinauf, diesmal als Par 6 mit etwas mehr als 500 Metern und einer realistischen Birdie-Chance. Hier wurde teilweise etwas improvisiert, dennoch lohnt ein Besuch der netten Anlage unbedingt. Zum einen wegen der herzerwärmenden Gastlichkeit, mit der Gäste hier empfangen werden, und zum anderen wegen des Preises: Ganze 16 Euro (!) zahlt man hier unter der Woche, 23 Euro werden am Wochenende fällig. Also warum nicht einen Danzig-Besuch mit einem Abstecher zum Tokary Golf Club verbinden? Nur neun Kilometer liegt der Platz vom Flughafen entfernt.

Fährt man eine gute Stunde von Danzig aus nach Osten, überquert man die Grenze zur Woiwodschaft Ermland-Masuren. Elbing (Elblag) ist die erste Stadt, die man erreicht. Die Kleinstadt war vor dem Krieg ein prosperierendes Zentrum Ostpreußens – viel übrig ist davon leider nicht mehr. Besucht man das kleine Museum im ehemaligen Schloss, wird das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich. Es ist beklemmend, anhand von Modellen und alten Bildern zu sehen, wie schön die Städte und Orte der Gegend einst waren und was nun davon übrig ist. Zugegeben – Elbing ist ein netter Ort mit Kirche, Hauptstraße und einigen historischen Bauten. Aber einst lag das Zentrum des Ortes am gleichnamigen Fluss, heute gibt es hier eine ausgeprägte Brachfläche. Natürlich sollte man dennoch einen Abstecher hierher machen, der Ort bietet sich hervorragend als Basis an, wenn man den wohl schönsten Platz im Norden Polens spielen möchte, den Sand Valley Golf Course.

Auch dieser Platz ist das Werk privater Investoren, die die Anlage samt Villen auf den Weg gebracht haben. Dieser Golfplatz ist spektakulär und eine Augenweide. Auf über 104 Hektar wurden hier 18 wunderbare und einzigartige Bahnen in die polnische Natur modelliert. Der Platz mit echtem Linkscharakter fordert den kompletten Spieler – wer aber einen guten Tag hat, wird belohnt mit einer fantastischen Runde Golf. Manchmal geht es rauf, dann wieder runter. Oft warten ausgedehnte Waste-Areas links und rechts der Bahn darauf, sich die Bälle zu greifen. Alles in allem wird der Platz seinem Namen gerecht: viel Sand, schnelle, ondulierte Fairways und harte, schnelle Grüns. Es ist schwer zu sagen, welches der Löcher am schönsten ist. Hervorheben kann man aber sicher Bahn 9, ein Par 4: Hier spielt man mit dem zweiten Schlag über einen Canyon ein erhöhtes Grün an. Oder die 12, ein Par 5 mit knapp 500 Metern und viel, viel Sand rechts und links. Alles in allem ein Must-Play, wenn man in Polen ist. Und der Preis? Ein Wahnsinn: 46 Euro wochentags, 58 Euro am Wochenende!

Ist man einmal vor Ort, sollte man sich mal mit dem Chef des Platzes, Antti Pohjonen, unterhalten. Der charismatische Finne wurde laut eigener Aussage von seiner Familie hier, mitten im polnischen Nirgendwo ausgesetzt und damit beauftragt, den von seinem Bruder co-designten Platz mit seinen Villen zu vermarkten. Kommt Antti mal so richtig in Fahrt, klingen einem die Ohren. Dann geht es um die Politik, die Golfplätze in Polen nach der Fläche besteuert und damit genauso wie z. B. einen Fußballverein. So kommt Antti mit seinem Platz auf gut und gerne 60.000 Euro im Jahr, die er an den Staat abgeben muss. Über sein Ziel, irgendwann Präsident des polnischen Golfverbandes zu werden, lacht man zunächst. Aber natürlich meint er das bitterernst. Denn Golf und Polen – das passt seiner Meinung nach (noch) nicht wirklich zusammen.

Noch weiter östlich erreicht man, nach etwa anderthalb Stunden Fahrt Allenstein (Olsztyn), die Hauptstadt von Ermland-Masuren. Auch Allenstein hat im Krieg einst sehr gelitten, die Stadt hat sich aber über die Jahrzehnte gut erholt. Ihre Lage inmitten von Seen und Wäldern ist einzigartig – allein zwölf Seen liegen innerhalb der Stadtgrenzen, dazu einer der größten Parks in Europa. Es gibt eine hübsche Altstadt und ein gotisches Schloss mit einer Open-Air-Bühne. Besonders stolz ist man hier auf Nikolaus Kopernikus, der hier im Mittelalter als Domherr wirkte. Allenstein ist eine attraktive Stadt, die durchaus dazu einlädt, ein paar Tage zu bleiben – und dabei auch Golf zu spielen.

Der vierte und letzte Platz, der Mazury Golf & Country Club, liegt nur zwölf Kilometer südwestlich der Stadt. Dieser Platz gehört einem Polen, der in Deutschland mit dem Export von Auto-Ersatzteilen nach Polen reich geworden ist. Mit viel Hingabe pushen er und seine zwei in Deutschland aufgewachsenen Söhne Golf in Polen. Soeben hat man ein riesiges neues Clubhaus eingeweiht, in dem man auch Zimmer mieten kann.

Der Championship-Platz von Martin Hawtree schlängelt sich durch die typisch polnische Landschaft. Sanfte Hügel und alte Bäume bestimmen das Bild, dazu immer wieder Wasser und teils ordentliche Höhenunterschiede. Der Platz erinnert am ehesten an Plätze hierzulande – inklusive Clubleben und gesellschaftlicher Events. Nichts mit Deutschland zu tun hat allerdings auch hier der Preis für eine Runde: 37 Euro fallen unter der Woche an, 47 Euro am Wochenende.

Ebenfalls eine echte Empfehlung: Keine zwei Kilometer entfernt vom Golfplatz lässt es sich herrlich wohnen und „wellnessen“. Das Fünf-Sterne-Hotel Marina Club auf einer Landzunge zwischen zwei Seen der Masurischen Seenplatte bietet internationalen Standard. Alle Zimmer haben Seeblick, beide Seen laden zum Baden und Entspannen ein. Hinzu kommt ein wunderschöner Wellnessbereich samt großem Pool und einer tollen Küche.

Passen Golf und Polen nun zusammen? Ein klares ja! Natürlich gibt es nicht, wie hierzulande, zig Golfplätze. Aber die vier Plätze, die im Norden des Landes liegen, sind allesamt einen Besuch wert. Verbinden kann man diesen mit einem Städtetrip nach Danzig samt Badeaufenthalt in Sopot oder mit einem Road-Trip von Westen nach Osten. Herausragend sind die Gastfreundschaft und die günstigen Preise. Und wer schon oft die „klassischen“  Golfziele besucht hat, findet hier sicher etwas Außergewöhnliches.
Markus von Bentzel

Die Städte

Sopot (Zoppot)
Das mondäne Ostseebad bildet zusammen mit Danzig und Gdingen den Ballungsraum Dreistadt Danzig. Der Ort mit zahlreichen historischen Gebäuden wie dem berühmten Kurhaus, dem Grand Hotel oder der 511 Meter langen Seebrücke lädt zum Flanieren und Genießen ein.

Elbing (Elblag)
Das nette Städtchen hat ein sehenswertes Museum, das die Geschichte der Region erzählt. Es lohnt eine Bootsfahrt auf dem Elblag und in den umliegenden Wäldern kann man toll radeln und wandern

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kleinanzeige

Ein besseres Handicap
kannst Du nicht im Proshop kaufen!
Golfkurse mit Erfolgsrezept gibt's hier:
www.golfrebell.com

Golfgezwitscher

Profilbild GOLFaktuell
1026 Likes

Letzte Beiträge auf Facebook:

Post
05.12.2017 20:50

- Zum Link | Zum Post

Post
22.11.2017 20:09

- Zum Link | Zum Post

Post
23.10.2017 10:20

Europas Golfmarkt: Leichte Erholung https://t.co/3hx6WZvcW3 via @Achminow - Zum Link | Zum Post

Post
23.10.2017 09:51

- Zum Link | Zum Post

Plugin von HootProof.de

GOLFaktuell
Newsletter

Direkt von der Redaktion, alle vierzehn Tage, aktuell und amüsant.

Das hat geklapp!

Pin It on Pinterest

Share This