Unbekanntes Land: Golfziel Litauen | GOLFaktuell

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Unbekanntes Land: Golfziel Litauen

Unbekanntes Land: Golfziel Litauen

Golf ist in Litauen keine große Sache. Gerade einmal 400 aktive Spieler mit einem Handicap gibt es in dem Land mit nicht ganz drei Millionen Einwohnern. Gut, der durchschnittliche Verdienst liegt nicht höher als 500 Euro, da sind die Voraussetzungen für einen Boom nicht die besten.

European Center Golfclub

European Center Golfclub

Immerhin versucht sich ein junger Pro namens Arnas Kaunas als Einzelkämpfer auf einer der vielen drittklassigen Touren. Im Grunde ein Wunder bei überhaupt nur fünf ausgebildeten Golflehrern. Einer davon ist Egidijus Baleisis, der vor elf Jahren den Golfsport in Litauen quasi erfand. Er war der erste Pro, der Golf unterrichtete. Nun fungiert er auch als Präsident der litauischen PGA. Nach einigen Jahren in Skandinavien ist er zurück in der Heimat, hat sein Büro im V Club bei Vilnius, dem Aushängeschild des Golfsports in Litauen.

Pushen Golf in Litauen: Egidijus Baleisis und AJ Steyn

Pushen Golf in Litauen: Egidijus Baleisis und AJ Steyn

Dort macht er seit diesem Frühjahr gemeinsame Sache mit AJ Steyn. Den Südafrikaner, der sich in jungen Jahren als Pro versucht hat, holten die Verantwortlichen, um in Sachen Golf den nächsten Schritt zu machen. Die Basis ist vorhanden. Der 2009 eröffnete V Club gehört zu Litauens einzigem Golfresort, dem Vilnius Grand Resort zirka 25 Minuten außerhalb des Stadtkerns der Hautstadt. Steyn soll den heimischen Markt ankurbeln, aber auch die Anlage auf ein noch höheres Level heben, um dem Golftourismus Schwung zu verleihen.

In Litauen selbst Euphorie für den Sport auszulösen, ist ein schwieriges Unterfangen. „Es gibt im Großraum Vilnius ungefähr 10.000 Menschen, die sich Golf leisten könnten. Das ist unsere Zielgruppe“, betont Steyn. Nicht viel. Aber die Verantwortlichen versuchen, diese vermögenden Einheimischen rauszulocken auf ihren Platz. Dafür gibt es Schnupperprogramme. „Golf ist für unser Land aber im Grunde immer noch komplettes Neuland“, sagt Baleisis. So wie der Euro, der erst vor zwei Jahren in dem südlichsten baltischen Staat eingeführt wurde – und noch für reichlich Konfusion sorgt.

Zentrum des Golf: V Club

Also zielt ein großes Investitionsprogramm eher darauf ab, Golfer aus aller Welt in den Nordosten Europas zu locken. Es passiert vieles im V Club. Das Grundgerüst ist stimmig. Der Platz ein echtes Monster. Das Design ist abwechslungsreich und anspruchsvoll. Verschiedene Teeboxen helfen aber dabei, ihn für jedermann spielbar zu machen. Dennoch: An 15 Bahnen kommt Wasser ins Spiel, das lässt sich nicht verhindern.

V Club – Golfplatz

V Club – Golfplatz

„Der Platz ist für alle Leistungsstärken eine Herausforderung“, sagt Steyn. Aber er braucht noch viel Arbeit im Detail. Die Grüns müssen besser werden. Ein finnischer Headgreenkeeper soll die Verantwortlichen weiterbringen. Ein neues Clubhaus haben sie schon gebaut. Ein Prunkstück. Nicht wuchtig, sondern zweckmäßig. Der Clou: Es liegt direkt zwischen dem Puttinggrün auf der einen Seite und der Range auf der anderen. Carts mit GPS-System sollen demnächst her. „Wir wollen in puncto Service und Qualität erstklassig sein“, nennt Steyn das ehrgeizige Ziel.

V Club - Golfplatz

V Club – Golfplatz

Zentrum des Tourismus: Vilnius Grand Resort

Wichtig in dieser Hinsicht ist das Hotel. Fünf Sterne sind im europäischen Vergleich vielleicht ein wenig hoch angesetzt, verstecken muss sich die Anlage aber auch nicht, die in den vergangenen Jahren großzügig erweitert wurde. Nach der Sowjet-Zeit startete das Haus als privates Hotel mit rund 20 Zimmern, mittlerweile wurden zwei komplette Flügel angebaut. Darunter ein riesiger Komplex mit 25 Konferenzräumen aller Größen. „Es gibt kein anderes Hotel in Litauen, das 3.000 Menschen am Tag unterbringen könnte“, sagt Miroslava Kostadinova, die Marketing-Chefin des Resorts. Der Kette Le Meridien gehörte das Haus zunächst an, Ende 2014 aber kam der Wechsel zu Prefered, einer US-amerikanischen Gesellschaft, die sich auf Golfresorts spezialisiert hat. Erbauer und Inhaber ist allerdings ein Litauer, der in Großbritannien seine Geschäfte macht. „Er macht so etwas für sein Heimatland“, sagt Kostadinova.

Vilnius Grand Resort

Vilnius Grand Resort

Das Kongress-Geschäft war lange Zeit die Haupteinnahme-Quelle, seit aber auch in Vilnius immer mehr Hotels aus dem Boden sprießen – Hilton und Marriott kommen demnächst noch hinzu – konzentrieren sich die Verantwortlichen im Grand Resort vermehrt auf den Tourismus.

„Es ist wichtig, sich zu entwickeln“, sagt die Marketing-Chefin. „Denn in Sachen Urlaub haben wir keinen Wettbewerbsgegner.“ Daher wird nun groß investiert. Am großen See entsteht ein künstlicher Badestrand, der in diesem Sommer eröffnet werden soll. Eine Wassersportanlage gibt es bereits. Der Spa-Bereich wird deutlich auf 5.000 Quadratmeter vergrößert – einzigartig in Litauen. „Wir rechnen, dass wir Ende 2018 damit fertig sind.“ Und sogar weitere neun Loch für den Golfplatz sind derzeit angedacht. 2020 nennt Kostadinova dafür als Zeitfenster. Dazu kommt die sogenannte „City of Dreams“ mit Villen, Appartment-Häusern und Restaurants rund um die Golfanlage. Ein Teil davon steht schon, und einiges ist bereits verkauft. Große Pläne.

Zentrum der Bemühungen: Tourismus

Von Polen, Litauern und Russen gleicherma§en verehrt: die Schwarze Madonna

Von Polen, Litauern und Russen gleicherma§en verehrt: die Schwarze Madonna

Der Tourismus steckt in Litauen im Grunde aber noch in den Kinderschuhen. 2012 brach der russische Markt komplett ein. Neue Felder mussten und müssen erschlossen werden. Bei den Skanidinaviern ist Vilnius bereits sehr beliebt. „Im April und Mai haben wir sehr viele Gruppen von dort“, sagt Kostandinova. „Allerdings sind das reine Golfer, die kommen nur deswegen. Sie können so ihre Saison um einige Monate verlängern.“ Anders die Deutschen, die mittlerweile vermehrt anreisen. Kein Wunder: Vilnius wird inzwischen von vielen deutschen Flughäfen direkt angeflogen – durch Air Baltic oder aber Billigairlines wie Wizz Air. „Die Deutschen interessiert aber auch die Geschichte.“ Das Publikum sei eher älter. „Ich denke 50 plus.“

In puncto Historie hat Vilnius viel zu bieten. Die Altstadt ist nach Prag die zweitgrößte Europas. Von ehemals über 200 Kirchen sind immer noch mehr als 60 geblieben – und zwar aller Konfessionen. Die Schwarze Madonna ist ein Pilgerziel. Es gibt sogar ein deutsches Viertel, in dem viele Kaufhäuser zu finden sind.

Altstadt von Vilnius

Altstadt von Vilnius

Zentrum Europas: European Center Golfclub

Capitals Golfclub

Capitals Golfclub

Nun aber wollen die Litauer auch den deutschen Golfer anziehen. Die Preise sind attraktiv, keine Frage. Auf rund 500 Euro kommt eine Woche samt Übernachtung und Greenfees. Damit liegt Vilnius auf dem Level der Türkei oder manchen Regionen in Spanien und Portugal. Ein Schnäppchen. Und es gibt schließlich nicht nur den V Club. Rund um Vilnius existieren zwei weitere interessante Golfanlagen. Der European Center Golfclub und der Capitals Golfclub. Zum guten Service des Resorts gehört, dass der Transport dorthin kostenlos geregelt wird. Rund eine halbe Stunde ist es zu beiden Plätzen. Sie zu spielen, ist durchaus empfehlenswert.

Der Capitals Club ist sportlich eine Herausforderung, gleicht eher einem klassischen Resortplatz. Hügelige, lange Bahnen, die bei viel Wind sehr anspruchsvoll werden. Ein sehr interessantes Design. Schade nur, dass der Platz derart weit abgelegen im Niemandsland liegt.

European Center Golfclub

European Center Golfclub

Die Mitte Europas liegt im European Center Golfclub

Die Mitte Europas liegt im European Center Golfclub

Der European Center Club hat seinen Namen nicht von ungefähr. Französische Forscher haben ermittelt, dass der geografische Mittelpunkt Europas in Litauen liegt. Und zwar direkt auf diesem Golfplatz. Ein Besuch des Monuments ist quasi Pflicht. Eine Säule erhebt sich auf dem Mittelpunkt, umrundet wird sie von den Flaggen der europäischen Nationen. Wer den Golfplatz gespielt hat, der bekommt sogar ein Zertifikat, dass er am Mittelpunkt Europas war. Ein netter Gag. Die ersten neun Löcher dieser Anlage sind so, wie man sich Litauen vorstellt. Sie schwingen sich durch lichte Nadelwälder und vorbei an Seen. Leider wechselt dieser Eindruck auf den zweiten Neun ein wenig in Richtung eines typischen, weit offenen Resortplatzes. Das Finale aber ist durchaus kurios, die beiden letzten Bahnen ziemlich einzigartig angelegt.

Litauen ist definitiv eine Reise wert – auch für Golfer. Auch wenn sich aus deutscher Sicht natürlich die Frage stellt: „Wann verbringe ich dort meinen Urlaub?“ Die Saison ist ähnlich der im Süden Deutschlands oder sogar deutlich kürzer als im Rest des Landes. Die Monate Juni bis August sollte man aufgrund der Mücken-Belastung meiden. Manch einer behauptet zwar, die Stech-Plage sei keine, der offene und ehrliche Mitarbeiter im Golfclub aber winkt ab. Natürlich brummt es in diesen Monaten ganz gewaltig rund um das viele Wasser. April und Mai, sowie ab Mitte September sind die besten Zeiten. Mücken gibt es in jedem Fall mehr als Golfer in diesem noch unentdeckten Land. Darüber sind sich dann alle einig.

 

Christian Fellner

 

 

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