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Kanalinsel Jersey: Mehr Fisch als Chips

Dem Wind ausgesetzt: La Moye liegt spektakulär auf einem Hochplateau

Jersey ist bekannt als Zuflucht für steuerscheue Firmen und vermögende Privatleute. Da ist es kein Wunder, dass die Kanalinsel auch über gute Golfplätze verfügt. Ein Geheimtipp für den, der den einmaligen Stil der Enklave schätzt: eine Mischung aus britischen und französischen Elementen.

Nein, am Flughafen von Jersey landen keine Herren im Trenchcoat mit Koffern voll Geld in der Hand. Dennoch lässt sich gleich zu Beginn einer Reise auf die Kanalinsel erahnen, woher der offensichtliche Reichtum der Insel vor der französischen Küste rührt. Noch im Flughafen zeugen alle großformatigen Werbeanzeigen davon, dass Banken und andere Anlageprofis hier den Takt angeben. Und wie überall, wo Geld scheinbar im Überfluss vorhanden ist, erwartet den Reisenden ein äußerst gepflegtes Ambiente. Patrick Burke, alteingesessener Hotelier auf Jersey, bringt den ganz eigenen Charme von Jersey auf den Punkt: „Wir verbinden seit Jahrhunderten britischen Lifestyle mit dem französischen Savoir Vivre.“

Jersey ist eine raue Schönheit

Unterstatement und die Liebe zum Garten vereinen sich hier mit exzellentem Essen und der Lust am Leben. Schon der französische Nationaldichter Victor Hugo schrieb Jersey zu, „ein Stück Frankreich zu sein, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde.“ Keine vierzehn Meilen sind es von der Südostküste bis zur französischen Normandie. Vierzehn Meilen, die man bei Ebbe fast zu Fuß gehen kann. Die Gezeiten sind hier enorm. Zehn Meter ist der Unterschied auf Jersey zwischen Ebbe und Flut. Die Fläche der Insel verdoppelt sich beinahe, wenn sich das Meer zurückzieht. Jersey ist also kulturell und auch von den natürlichen Gegebenheiten etwas ganz Eigenständiges, ein Zustand, der auch durch den politischen Status untermauert wird. Die Insel ist als Kronbesitz der Queen direkt unterstellt und damit weder Teil des Vereinigten Königreichs noch der EU. Dies erklärt auch die weidlich genutzte Sonderstellung in Finanz- und Steuerfragen und ist der Grund, weshalb die gerade einmal 120 Quadratkilometer große Insel Kapital anzieht wie Licht die Fliegen.

Der Royal Jersey ist die Heimat von Golf-Legende Harry Vardon

All das trägt dazu bei, dass Jersey, ähnlich wie die Nachbarinsel Guernsey, jene wirtschaftlichen Probleme nicht kennt, die in der englischen Provinz oft unübersehbar sind. Dass eine Insel mit wohlhabenden britischen Bürgern dann auch Golf kann, ist nicht verwunderlich. Drei 18-Loch-Plätze gibt es auf dem Kronbesitz mit den nur rund 100.000 Einwohnern, zudem noch mehrere 9-Loch-Kurse, von denen der beste Les Ormes heißt.

La Moye: Heimatclub von Ian Woosnam

Die beiden herausragenden Plätze sind Royal Jersey im Osten der Insel und La Moye im Südwesten. La Moye liegt spektakulär: Die 18 Bahnen ziehen sich über ein Hochplateau und von fast allen Fairways schweift der Blick auf den Atlantik, ein kleines vorgelagertes Fort im Meer und mächtige Sanddünen. Die Klippen sind im Spiel, ohne jedoch den Platz übermäßig schwer zu machen. La Moye mit schmalen Fairways aber fairen Roughs ist auch der Heimatclub des begeisterten Golfers Nigel Mansell. Der ehemalige Formel-1-Weltmeister hat sich den Club ebenso als Homebase ausgewählt wie der Waliser Masters-Champion Ian Woosnam, der seit Langem auf Jersey lebt.

In Wentworth ist die European Tour zu Hause

Ein richtiger Linksplatz ist Royal Jersey. Von hier stammt Harry Vardon, einer der größten Golfer aller Zeiten, der um die 1900er Jahre insgesamt 49 Turniere gewann, darunter sechsmal die British Open. Eine Bronzefigur erinnert in Royal Jersey an den vielleicht berühmtesten Sohn der Kanalinsel. Royal Jersey beginnt mit einem Par 5 direkt am Meer entlang. Wenn der Wind von hinten bläst, lassen sich die 470 Yards gut mit zwei Schlägen erreichen, aber wehe, der Wind meint es nicht gut. Der Abschlag von Loch eins wird zwischen ein altes mächtiges Fort auf der linken Seite des Fairways und zwei Bunker rechts gespielt. Bunker meint in diesem Fall aber nicht die üblichen Sandhindernisse, sondern Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg.

Deutschland hielt die Insel zwischen 1940 und 1945 besetzt, die zahlreichen Bunker an der Küste und eben auch am Rande des Golfplatzes erinnern an diese Zeit. Wer glaubt, mit 6.123 Yards sei Royal Jersey ein kurzer und leicht spielbarer Platz, irrt. Der Linkscharakter hält so manche unliebsame Überraschung für die Runde bereit.

Stopover-Option London

Wer auf die Kanalinsel Jersey will, muss zwischen Oktober und Mai an bestimmten Tagen über London fliegen. Ein guter Grund, einen Halt einzulegen und einen der großen Golfplätze rund um die britische Hauptstadt zu spielen.

Der beste Platz Englands und Austragungsort der British Open: Royal St. George´s

Für Kenner internationaler Golfplätze gibt es weltweit drei Kristallisationspunkte mit der höchsten Dichte edler Wiesen: Melbourne, die Halbinsel Monterrey an der Küste Kaliforniens und London. Vor allem im wohlhabenden Westen Londons, nahe der Pferderennbahn Ascot und Windsor Castle, häufen sich die feinen Clubs. Sunningdale ist der wohl berühmteste von ihnen, aber auch Wentworth trägt einen klingenden Namen.

Sunningdale ist ein weiterer Top-Platz nahe Londons

Beide Golfclubs kommen zusammen auf fünf 18-Loch-Kurse. Hinzu kommen im feinen Westen mit St. George’s Hill und Swinley Forest zwei weitere Plätze der Extraklasse. Im Süden Londons, nahe des Flughafens Gatwick, ragt Walton Heath heraus. Der Platz war 1981 Austragungsort des Ryder Cups und steht für alles, was einen feinen englischen Parkland-Platz ausmacht. Hier wird britisches Understatement gepflegt, nichts wirkt aufdringlich, dafür ist schon das Putting Green ein Traum an Treue und Schnelligkeit, umrahmt von einem Clubhaus im viktorianischen Stil, Blumen und Sträuchern, die das Areal einem botanischen Garten ähneln lassen. Der Platz selbst beeindruckt durch Großzügigkeit, bestens platzierte Bunker und wunderbare Grüns. Unter Englands besten Golfplätzen findet sich Walton Heath regelmäßig in den Top Ten.

London ist immer eine (Golf-)Reise wert

Noch weiter oben, nämlich auf Platz 1, rangiert Royal St. George’s. Nicht wirklich stadtnah liegt der Platz an der Küste von Kent, rund 80 Meilen östlich von London. Royal St. George’s führt auch deshalb die Liste der besten Golfplätze Englands an, weil dieser Club 1894 der erste englische Austragungsort der British Open war und bis heute zu der Handvoll an Plätzen zählt, die im Turnus dieses wichtigste europäische Golfevent austragen dürfen.

Royal St. George’s ist Linksgolf in puristischer Form. Keine Driving Range, keine außergewöhnliche Auffahrt zum Club, die Umkleiden spartanisch, nirgends unnötiges Tamtam. Die Bahnen gleiten wie selbstverständlich durch das wenig spektakuläre, leicht wellige Gelände – als hätte die Schöpfung selbst den Platz angelegt. Niemand wagt es, dem Kurs mit Hilfe von Erdbewegungen mehr Dramatik zu verleihen. Der Golfer bewegt sich durch ein Stück Natur, allenfalls die in Royal St. George’s besonders tiefen Bunker zeugen davon, dass der Mensch sehr bewusst Hand angelegt hat, um an dieser Stelle einen der besten Golfplätze der Welt zu schaffen.

Wer schon einmal den Weg nach Royal St. George’s auf sich genommen hat, kann auch gleich noch einen Tag dranhängen. Direkt neben der historischen Golfwiese liegt mit dem Prince’s Golf Club ein nicht minder schöner Kurs, der es im Wettstreit mit dem berühmten Nachbarn selbst zu einer Ikone des englischen Golfsports gebracht hat.

Golfen rund um London

Walton Heath
Gegründet 1903, 18 Loch, Par 72, 6.786 Yards
Greenfee: 150 Pfund
www.waltonheath.com

The Royal George’s Golf Club
Gegründet 1887, 18 Loch, Par 76, 6.630 Yards
Greenfee: 100 bis 190 Pfund
www.royalstgeorges.com

Hotelempfehlung

The Atlantic Hotel liegt an der Westküste Jerseys

Unverstellter Blick aufs Meer gefällig? Das The Atlantic Hotel, in direkter Nachbarschaft zum Golfclub La Moye, ist die einzige Herberge auf Jersey, die das Privileg genießt, an der Westküste der Insel inmitten eines Naturschutzgebietes zu liegen. Der Atlantik ist greifbar.

Zu verdanken ist diese besondere Lage dem Vater des heutigen Besitzers Patrick Burke, der 1970 das Atlantic Hotel gründete. Die beste Reisezeit ist Mai, wenn auf Jersey alles blüht und der Sonnenuntergang besonders reizvoll glänzt. Von Mai bis Oktober ist Jersey direkt mit acht deutschen Flughäfen verbunden.

Neben Engländern und Schweizern sind Deutsche die dritte Gruppe, die gern im Atlantic Hotel absteigt, um die überwältigende Natur und das seit 2007 mit einem Michelin-Stern prämierte Ocean Restaurant zu genießen.

www.theatlantichotel.com

Golfplätze auf Jersey

Royal Jersey Golf Club
18 Loch, Par 70, 6.123 Yards
Greenfee: 50 bis 80 Pfund
www.royaljersey.com

La Moye Golf Club
18 Loch, Par 72, 6.401 Yards
Greenfee: 75 Pfund
www.lamoyegolfclub.co.uk

Les Mielles Golf & Country Club 18 Loch,
Par 71, 5.652 Yards
Greenfee: ab 40 Pfund
www.lesmielles.com

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