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Im Interview: Bernd Wiesberger – Vom Burgenland in die weite Golfwelt

Im Interview: Bernd Wiesberger – Vom Burgenland in die weite Golfwelt

Bernd Wiesberger ist der beste österreichische Golfer aller Zeiten. Der sympathische Burgenländer wurde 2006 Pro, gewann zwei Turniere auf der Challenge Tour und spielte sich so auf die European Tour. Bei den „großen Jungs“ gelang ihm 2012 mit dem Sieg bei der Ballantine’s Championship der erste Triumph, im gleichen Jahr folgte der Sieg beim Lyoness Open in Wiesbergers Heimat Österreich. 2015 dann Wiesbergers bislang größter Erfolg: Er gewann die Alstom Open de France in Paris und stieß in die Top-50 der Welt vor, was ihm die Qualifikation für die Majors einbrachte. Vor Kurzem, Ende April 2017, gelang ihm der bislang vierte Sieg auf der European Tour, beim Shenzhen International in China.

November 2006: Bernd Wiesberger bei der European Tour Qualifying School - Final Stage im The San Roque Club in Sotogrande, Spanien.  (Foto: Warren Little/Getty Images)

November 2006: Bernd Wiesberger bei der European Tour Qualifying School – Final Stage im The San Roque Club in Sotogrande, Spanien. (Foto: Warren Little/Getty Images)

Geboren wurde Bernd Wiesberger am 8. Oktober 1985 in Wien. Seine gesamte Familie ist sehr sportbegeistert, sodass es wenig überraschend ist, dass er als Kind und Jugendlicher leidenschaftlich gern alle möglichen Sportarten ausprobiert hat – Fußball, Basketball, Tennis und natürlich Golf. Auch das Skifahren ist eine große Leidenschaft – wie sich das für einen Österreicher eben gehört.

Seit Februar 2015 steht Bernd Wiesberger fast ununterbrochen unter den Top-50 der Golf-Weltrangliste. Dabei erreichte er zwölf Top-Ten-Platzierungen und überstand bei European-Tour-Turnieren immer den Cut. Eine Konstanz, die ihm 2015, 2016 und 2017 Teilnahmen an allen großen Turnieren beschert hat. Im Moment liegt er auf Rang 30 in der Rangliste und damit besser als alle deutschen Spieler. Im Race to Dubai belegt er aktuell Platz 5. Wir haben mit Bernd Wiesberger gesprochen.

 

Herr Wiesberger, seit September letzten Jahres erleben Sie einen regelrechten Höhenflug. Neun Top-Ten-Platzierungen und ein Sieg in China stehen seitdem zu Buche. Erleben wir im Moment den besten Bernd Wiesberger aller Zeiten?

April 2017: Bernd Wiesberger gewinnt das Shenzhen International imGenzon Golf Club in Shenzhen, China. (Foto: Zhong Zhi/Getty Images)

April 2017: Bernd Wiesberger gewinnt das Shenzhen International imGenzon Golf Club in Shenzhen, China. (Foto: Zhong Zhi/Getty Images)

Ich fühle mich in meiner aktuellen Form sehr wohl und weiß, dass ich mich auf mein Spiel verlassen kann. Dieses Gefühl habe ich schon seit Längerem, konnte es jedoch nicht immer in Scores und Platzierungen umsetzen. Grundsätzlich bin ich mit der aktuellen Konstanz glücklich und es ist sehr positiv, dass ich mir oft aussichtsreiche Positionen erspiele und am Wochenende um die Topplatzierungen mitkämpfen kann. Es geht im Golf um Kleinigkeiten und kleine Fehler können in einer Turniersituation schnell sehr große Auswirkungen haben. Daher ist es sehr wichtig, dass ich mir möglichst oft die Chance gebe, bei Turnieren um den Titel mitzuspielen.
Ich glaube und hoffe jedoch nicht, dass es sich aktuell um die beste Form aller Zeiten handelt. Dies würde ja heißen, dass ich am Zenit bin. Auch bei solch positiven Leistungen ist es wichtig, den Fokus nicht zu verlieren und an den vorhandenen Schwächen im Spiel zu arbeiten.

Woran liegt es, dass Sie seit einiger Zeit eine solche Konstanz in Ihrem Spiel haben?

Juli 2015: Bernd Wiesberger gewinnt die Alstom Open de France in Paris, Frankreich. (Foto: Tony Marshall/Getty Images)

Juli 2015: Bernd Wiesberger gewinnt die Alstom Open de France in Paris, Frankreich. (Foto: Tony Marshall/Getty Images)

Die aktuelle Form ist das Resultat langer, beständiger Arbeit mit meinem Coach Philippe DeBusschere. Im Golf ist es äußerst selten, dass man eine Änderung im Spiel vornimmt und am nächsten Wochenende um den Sieg mitspielt. Gemeinsam mit Phil arbeite ich schon lange an gewissen Parts meines Spiels und gemeinsam haben wir die Statistiken über die letzten Jahre im Zehntelbereich verbessert. Diese kleinen Änderungen in allen Bereichen des Spiels haben über die Saison gesehen eine sehr große Auswirkung und natürlich stärken sie das Vertrauen in mein Spiel. In Drucksituationen ist es besonders wichtig, sich auf sein Spiel verlassen zu können, da viel auch mit Muscle-Memory und einfacher Routine zu tun hat. Wenn ich absolut auf einen Schlag vertraue, fällt es mir leichter, diesen auch in einer spielentscheidenden Situation abzurufen.

Juli 2012: Bernd Wiesberger feiert den Gewinn der  Austrian Open im Diamond Country Club im österreischischen Atzenbrugg (Foto: Ross Kinnaird/Getty Images)

Juli 2012: Bernd Wiesberger feiert den Gewinn der Austrian Open im Diamond Country Club im österreischischen Atzenbrugg (Foto: Ross Kinnaird/Getty Images)

Sie waren 2015 der erste Österreicher, der am Masters teilnehmen durfte. Macht Sie das stolz?

Natürlich macht mich das sehr stolz und ich weiß, dass ich mit diesen Errungenschaften auch als Vorbild für die Jugend diene. Markus Brier war der erste Österreicher, der je ein European-Tour-Event gewonnen hat und dadurch wurde uns damals klar, dass dies als Österreicher kein Ding der Unmöglichkeit mehr ist. Auch die Teilnahme an Olympia war etwas ganz Besonderes und ich vertrete Österreich sehr gerne auf der internationalen Bühne.

Allerdings darf man Turnieren dieses Kalibers auch keinen zu hohen Stellenwert zurechnen und man muss sich auf seine Routine verlassen. Am Platz ist es ein Turnier wie jedes andere, die Vorbereitung bleibt möglichst gleich und nach 72 Loch ist (normalerweise) alles wieder vorbei.

2015 wurden Sie in Augusta noch geteilter 22., 2016 belegten Sie Rang 34 und in diesem Jahr „nur“ Rang 43. Was überwiegt: die Freude, zumindest immer den Cut geschafft zu haben, oder der Ärger, dass es mit jeder Teilnahme schwerer zu werden scheint?

Grundsätzlich kann es nicht mein Anspruch sein, bei Turnieren dieser Art nur den Cut zu schaffen. Es ist sicherlich ein Ziel, die Top-Platzierungen aus European-Tour-Events auch bei Major- und WGC-Events zu erreichen. Augusta National ist ein schwieriger Platz, der Spielern über vier Tage keine richtige Verschnaufpause gönnt. Fehler, die auf anderen Plätzen kein allzu großes Problem darstellen würden, werden in Augusta hart bestraft und man findet sich plötzlich in einer sehr unangenehmen Situation und mit einem weiteren schwierigen Schlag wieder. Über alle vier Tage gesehen, habe ich heuer sicherlich gutes Golf gespielt, aber zu viele schwere Fehler auf den Backnine zugelassen. Bogeys spielt in dieser Woche jeder, aber Doppelbogeys oder schlechteres sollten auf keinen Fall passieren.

Woran liegt es, dass Ihnen bislang bei den Majors noch nie der Sprung unter die Top-Ten gelungen ist? Was macht diese Turniere so viel schwerer?

Die beiden größten Unterschiede liegen sicherlich in der Schwierigkeit der Plätze und der Stärke des Teilnehmerfeldes. Ein Großteil der Major- und WGC-Events werden in Amerika gespielt und sind mehr an die normalen Bedingungen auf der PGA Tour angepasst – Grüns sind anders zu lesen und Bälle reagieren nicht immer so, wie man es gewohnt ist. Dies ist für Spieler der European Tour meist eine größere Umstellung. Fehler werden auf Major-Plätzen schneller bestraft, weshalb es umso wichtiger ist, diese möglichst zu vermeiden. Ich bin überzeugt, dass sich mein Spiel in die richtige Richtung entwickelt und ich die Leistungen von anderen Turnieren auch bei Majors und WGC-Events abrufen kann. Auch hier ist mein Ziel, mir möglichst viele Situationen zu schaffen, in welchen ich um die Top-Platzierungen mitspielen kann.

Haben Sie ein Lieblingsturnier auf der European Tour?

Als Spieler in den Top-50 der Golf-Weltrangliste habe ich das Privileg, dass es in meinem Kalender sehr viele Highlights gibt. Angefangen mit dem Masters im April, über mein Heimatturnier in Österreich, bis zur Open Championship und dem Saisonfinale in Dubai. All diese Turniere haben etwas für sich und ich bin in der glücklichen Position, dass ich die Turniere spielen kann, bei denen ich mich am wohlsten fühle. Natürlich verbindet man mit Turnieren, die man bereits gewonnen hat, auch besondere Erinnerungen.

August 2016: Bernd Wiesberger bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, Brasilien. (Foto: Ross Kinnaird/Getty Images)

August 2016: Bernd Wiesberger bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, Brasilien. (Foto: Ross Kinnaird/Getty Images)

Im Sommer durften Sie in Rio die Österreichischen Farben vertreten. Wie haben Sie das Turnier empfunden?

Für uns Golfer war es etwas ganz Besonderes, weil es das erste olympische Golfturnier sei über 100 Jahren war. Bereits als Amateur habe ich Österreich gerne bei internationalen Bewerben vertreten – und dies auch als Professional zu tun, hat mir sehr viel Freude bereitet. Das gesamte Umfeld des Turniers war ganz anders als auf der European oder PGA Tour und ich habe versucht, meine Erfahrung als Olympionike bestmöglich zu genießen. Es war sehr interessant, die unterschiedlichen Vorbereitungen der Athleten zu beobachten und sich mit Sportlern aus verschiedenen Sportarten auszutauschen.

Wo in Österreich spielen Sie am liebsten, wenn Sie mal privat spielen möchten?

Bei mir ist Golf immer mit Arbeit verbunden und private Golfrunden kommen nur sehr selten vor. Daher spiele ich die meisten Runden im Jahr sicherlich im Reiters Golf & Country Club und bereite mich dort auch auf Turniere vor. Auch wenn ich mit meiner Familie auf den Golfplatz gehe, passiert das fast ausschließlich in Bad Tatzmannsdorf.

April 2012: Bernd Wiesberger als Sieger der Ballantine's Championship im Blackstone Golf Club  in Icheon, South Korea. (Foto: Andrew Redington/Getty Images)

April 2012: Bernd Wiesberger als Sieger der Ballantine’s Championship im Blackstone Golf Club in Icheon, South Korea. (Foto: Andrew Redington/Getty Images)

Nächstes Jahr kommt der Ryder Cup nach Paris. Was würde es Ihnen bedeuten, dort mal dabei zu sein?

Natürlich wäre es eine große Ehre, diesem Team anzugehören und Europa in diesem Vergleichskampf zu vertreten. Allerdings ist es für mich nicht als eigenes Ziel in meiner Planung definiert. Viel wichtiger ist es für mich, Woche für Woche meine Leistung abzurufen beziehungsweise zu verbessern und mich über kontinuierliche Arbeit für das Team zu empfehlen. Stimmen die Ergebnisse über das ganze Jahr gesehen, ist der erste Schritt in diese Richtung gemacht – mehr kann ich als Spieler auch nicht machen.

Vielen Dank für Ihre Zeit – und viel Erfolg weiterhin!

Markus von Bentzel

 

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