Select Page

Eine Golfreise durch Neuseeland – Teil 2

Eine Golfreise durch Neuseeland – Teil 2

Neuseeland gehört zu den faszinierendsten Regionen dieser Welt: Urtümliche Wälder, grandiose Landschaften und dazu eine Mischung aus Exotik und vertraut westlich Geprägtem – es ist das ideale Urlaubsland. Auch für Golfer. – Teil 2 des Reiseberichtes von Jürgen Linnenbürger.

Wer Zeit hat – und man sollte viel Zeit mitbringen, wenn man möglichst viele Facetten Neuseelands entdecken will – legt sich bei seinem Golfurlaub nicht auf einer Insel fest. Dabei lautet die Empfehlung, auf der Südinsel anzufangen und sich so die Highlights der Golfreise für den Schluss aufzuheben.

Nordinsel – Eine windige Sache

Um die Golfsafari auf der Nordinsel schnellstmöglich fortzusetzen, nimmt man am besten das Flugzeug nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands und „World Capital of the Wind“ – hier bläst es ständig.

Die Plätze auf der Nordinsel liegen weit auseinander. Zwischen dem Cape Kidnappers an der Hawke’s Bay in der Nähe von Napier im Südosten und Kauri Cliffs an der Matauri Bay im Nordosten liegen 650 Kilometer.

Paraparaumu Beach Golf-Club, Wellington (Foto: Graeme-Murray)

Paraparaumu Beach Golf-Club, Wellington (Foto: Graeme-Murray)

Per Mietwagen erreicht man nach knapp einer Stunde nordwestlich von Wellington den Ort Paraparaumu Beach mit seinem gleichnamigen Golfclub. Der Platz gilt als der bekannteste Linkskurs Neuseelands, wenn nicht sogar des gesamten Südpazifik-Raumes. Bereits 1949 erbaut, wirbt der Club mit dem Slogan „Golf at its purest“ und bietet Golf in seiner ursprünglichsten Form. Es ist ein klassischer, enger Dünen-Links-Kurs, auf dem bereits zwölf Mal die NZ Open stattgefunden haben. 2002 hatte hier Tiger Woods seinen einzigen Auftritt in Neuseeland. Seine vier Putts an der Zwei sind in die Clubgeschichte eingegangen – am Ende wurde es Rang 6.

Der Kurs ist kürzer als die anderen beschriebenen Plätze, was aber nichts bedeutet. Seine brettharten Fairways, die 34 Topfbunker und die stark ondulierten, nach mehreren Seiten abfallenden Grüns zählen ebenso zu seinen Herausforderungen wie das gnadenlose Rough. Nicht zu vergessen ist der häufig vom nahen Meer kommende Wind.

10 Sekunden, die man nie vergisst

Von hier aus setzt man die Fahrt entweder mit dem Pkw an die Hawke’s Bay an der Ostküste der Nordinsel fort oder fährt zurück nach Wellington, von wo man den kurzen Inlandsflug nach Napier nimmt.

Napier

Napier

Der in der Nähe von Napier gelegene Cape Kidnappers ist Julian Robertsons zweiter Platz. Er wurde 2004 fertiggestellt und ringt stets mit um die Spitzenposition des Landes.

Cape Kidnappers

Cape Kidnappers

Die beeindruckendste Anreise ist die mit dem Helikopter, denn aus der Luft raubt einem der Platz den Atem. Reist man konventionell mit dem Pkw an und hat erst mal das Tor am Eingang des Areals erfolgreich passiert, hat man noch acht Kilometer vor sich. Die Straße schlängelt sich zunächst durch den Wald hinauf, dann durch abgeholzte Waldgebiete und schließlich an den Weiden der noch intakten Hochlandfarm vorbei. Schafe grasen direkt am Straßenrand und lassen sich nicht von den Golf-Eindringlingen beeindrucken.

Cape Kidnappers

Cape Kidnappers

Das zunächst unscheinbar wirkende Clubhaus überrascht von außen mit seiner Schlichtheit. Von innen ist alles vom Feinsten, edel und gediegen.

Der Platz ist äußerst hügelig und der Großteil der Löcher ist durch große Wellen gekennzeichnet. Die Fairways leuchten in einem Hellgrün, das unwirklich erscheint. Sie sind extrem breit und man läuft wie auf Samt. Obwohl es keine Bäume und Wasserhindernisse gibt, ist der Platz eine echte Herausforderung. Es sind die zu überwindenden Schluchten (Galleys), die Bunker, das Rough sowie die Grüns, die für den Score verantwortlich sind – und natürlich der Wind, der manchmal vom Meer, manchmal vom Land kommend, die Wahl des richtigen Schlägers nicht einfach macht.

Cape Kidnappers

Cape Kidnappers

Spektakulär sind die Klippen am Rande einiger Fairways oder hinter den Grüns, von denen es bis zu 140 Meter steil bergab geht. Spielt man seinen Schlag hier zu lang, fliegt der Ball noch zehn Sekunden weiter in den Abgrund, bevor ihn das Meer für immer verschluckt. Die schwindelerregenden Löcher 10 bis 16 befinden sich auf den Rücken der Klippen, die aus der Luft wie Finger einer Hand aussehen und an das blaugrüne Meer heranreichen.

Schottisch

Nach zwei Stunden Fahrtzeit in nordwestlicher Richtung erreicht man Taupo am gleichnamigen See. Hier erwarten den Golfer zwei weitere Highlights: The Kinloch Club und The Wairakei Golf & Sanctuary sowie eine Luxus-Lodge der Extraklasse.

The Kinloch Club (Foto: Desmond Frith)

The Kinloch Club (Foto: Desmond Frith)

The Kinloch Club, eine Kombination aus Links- und Parklandkurs, ist ein Championship-Platz der Extraklasse. Der weit vom Meer entfernte Platz wurde perfekt in das hügelige, ehemalige Farmland integriert. Er bietet herrliche Blicke auf das Nordufer des Lake Taupo, des größten Süßwassersees der Insel, sowie auf die angrenzenden riesigen Hügel mit weidenden Rindern, die von den Fairways aus verschwindend klein erscheinen.

The Kinloch Club (Foto: MIles Holden)

The Kinloch Club (Foto: MIles Holden)

Es ist der einzige Platz in Neuseeland, der die Handschrift von Jack Nicklaus trägt. Sein Ziel war es 2007, einen „Scottish Links Style Course“ zu schaffen, was ihm brillant gelungen ist. Das Layout ist großartig, die Szenerie eindrucksvoll. Einen Vergleich mit namhaften schottischen oder irischen Links-Plätzen braucht er nicht zu scheuen, auch wenn nahezu all seine Features künstlich angelegt sind. Wellige Spielbahnen, nicht einsehbare Landezonen, unzählige Bunker und ondulierte, große Grüns zeichnen ihn aus. Aber Achtung: Anders als bei reinen Linksplätzen kann man hier die Bälle nicht aufs Grün rollen lassen: Besser man nimmt ein bis zwei Schlägerlängen mehr, um das Grün anzuspielen.

Ein Vogelparadies

Der Wairakei Golf & Sanctuary in Taupo ist ein außergewöhnlicher Parkland-Kurs, der sich durch ein riesiges Waldgebiet schlängelt. Er liegt eingebettet in ein 180 Hektar großes Areal und ist selbst ein Naturschutzgebiet. Ihn umgibt ein 5,5 Kilometer langer und 2 Meter hoher Zaun, um sowohl Eindringlinge abzuhalten als auch Ausreißer an ihrem Plan zu hindern: Er beheimatet mehr als 40 Vogelarten, die zum Teil nur in Neuseeland vorkommen und hier gehütet werden. Beispiele sind der äußerst scheue Kiwi, der unförmige bunte Takahe oder der Tui, der auch das Wappen des Clubs ziert. Das wilde Konzert der unzähligen Vögel begleitet einen auf der gesamten Runde.

Wairakei Golf & Sanctuary (Foto: Miles Holden)

Wairakei Golf & Sanctuary (Foto: Miles Holden)

Gebaut wurde der Platz bereits 1970 im Auftrag der neuseeländischen Regierung, um der Touristenregion ein weiteres Highlight zu schenken. Die abwechslungsreichen Bahnen ziehen sich durch das meist ebene, äußerst gepflegte Gelände, vorbei an diversen Wasserläufen, Seen und riesigen Bäumen, die den Platz spielerisch interessant und optisch zu einer Augenweide machen. Eine Vielzahl von durchdachten Details bleibt in Erinnerung, wie die auf Top-Plätzen üblichen kostenfreien, pyramidenförmig aufgebauten Bälle auf der Range, die es hier – wohl einmalig – auch im Übungsbunker gibt.

Von Taupo setzt man die Reise über Rotorua nach Auckland fort. Auckland ist der ideale Ausgangs- oder Endpunkt einer Reise. Es ist eine typische Großstadt mit einigen attraktiven Vororten, so die Gegend um den Mount Eden, einem ehemaligen Vulkan, von dem man eine tolle Aussicht über die Stadt hat.

Auckland

Auckland

Von Auckland geht es mit einem kurzen Inlandsflug nach Kerikeri an die subtropische Bay of Islands im Nordosten. Hier warten der Höhepunkt der Golfreise und die Nummer 1 unter den neuseeländischen Golfplätzen.

Suchen ist Zeitverschwendung

Der Golfplatz Kauri Cliffs liegt in der Matauri Bay im Nordosten der Nordinsel. Als Standort bietet sich das Städtchen Paihia an, von dem aus man den Platz in gut einer Dreiviertelstunde erreicht. Er verdankt seinen Namen den bis zu 50 Meter hohen Kauri-Bäumen, die aus dieser Region stammen und bis zu 2.000 Jahre alt sind.

Kauri Cliffs Golf Course mit den Inseln der Matauri Bay iim Hintergrund (Foto: Amos Chapple)

Kauri Cliffs Golf Course mit den Inseln der Matauri Bay iim Hintergrund (Foto: Amos Chapple)

Seine spektakuläre Lage und der Blick auf den Ozean sind schlichtweg überwältigend. Auf den ersten Neun sieht man über den weitläufigen Platz hinweg auf den im Hintergrund gelegenen goldgelben Strand der Matauri Bay und Cape Brett. Die zweiten Neun bestechen dann durch die Aussicht auf die vorgelagerten Cavalli Inseln, die zum Teil wie Kegel im Meer platziert sind und an deren Ufern die Wellen brechen. Sechs Löcher grenzen direkt an die Klippen, die senkrecht ins Meer hinab stürzen.

Kauri Cliffs, Loch 17

Kauri Cliffs, Loch 17

Der Platz ist sehr hügelig und es sind erhebliche Höhenunterschiede zu überwinden. Bis auf die ebenen Bahnen elf und zwölf spielt man entweder bergauf oder bergab, zum Teil über Schluchten hinweg, die man mittels großer Holzbrücken überwindet. Die Topographie des Platzes sorgt dafür, dass das Anspielen der tiefer oder höher gelegenen Grüns ausgesprochen herausfordernd ist. Diese werden von Bunkern gut bewacht, sind relativ groß, onduliert, aber spurtreu. Die Fairways bieten ausreichend Platz.

Das Rough aus Fescue-Gräsern kennt keine Gnade und verschluckt alles – suchen ist Zeitverschwendung. Gespielt wird hier nach der Regel, die bei Wasserhindernissen gilt: Strafschlag und weiter geht’s. Auch die Wahl des richtigen Schlägers will überlegt sein, insbesondere bei starkem Wind. Jeder Schlag erfordert höchste Konzentration, was bei der Ablenkung durch die beeindruckende Kulisse zu einer zusätzlichen Herausforderung wird.

Diese Region zählt sicherlich zu den schönsten, die unser Planet zu bieten hat. Und wenn man dann noch etwas Glück mit dem Wetter hat, die Sonne strahlt und sich der Wind in Grenzen hält, steht einer unvergesslichen Runde nichts im Wege. Bei Golf Digest liegt Kauri Cliffs aktuell an Position 39 unter den Top 100 der Welt.

Vom nahegelegenen Kerikeri geht es mit dem Flieger zurück nach Auckland, dem Ende der Reise entgegen.

Epfehlenswert: Neuseeländischer Milchkaffee

Epfehlenswert: Neuseeländischer Milchkaffee

Es sind nicht nur die Top-Plätze, die Neuseeland als Golfdestination interessant machen. Nahezu jeder Ort hat seinen eigenen Platz, auf dem man für kleines Geld spielen und mit den sympathischen Kiwis in Kontakt kommen kann. So wie in Hokitika, einem öffentlichen Linkskurs an der Westküste der Südinsel. „We are in a hurry“, riefen die beiden Ladies beim Verlassen des Clubhauses. „Have fun and take a trundler if you need one.“ Dann verschwanden sie zum Friseur. Die NZ $ 25, knapp 17 Euro, für die 18 Loch konnten in einen Umschlag gesteckt und in eine Box geworfen werden. Eher der Normalfall in Neuseeland.

Ob mit oder ohne Golf: Neuseeland ist auf jeden Fall eine Reise wert – übrigens auch, weil es ausgesprochen sicher und frei von jeglichen gefährlichen Tieren und Insekten ist. Für viele Europäer wird die Reise ein „once in a lifetime“-Erlebnis sein, das unvergesslich bleiben wird.

 

Die Pätze – Nordinsel:

Kauri-Cliffs
Design: David Harman, Rees Jones
18 Loch, Par 72, 6.510 m
GF: 360 Euro, Cart: 23 Euro pro Person
www.kauricliffs.com

Cape Kidnappers
Design: Tom Doak
18 Loch, Par 71, 6.510 m
GF: 360 Euro, Cart: 23 Euro pro Person
www.capekidnappers.com

The Kinloch Club
Design: Jack Nicklaus
18 Loch, Par 72, 6.734 m
GF: 220 Euro, Cart: 31 Euro
www.thekinlochclub.com

Wairakei Golf & Sanctuary
Design: Commander John Harris, Michael Wolveridge, Peter Thomson
18 Loch, Par 72, 6.460 m
GF: 134 Euro, Cart: 31 Euro
www.wairakeigolf.co.nz

Paraparaumu Beach Golf
Design: Alex Russel
18 Loch, Par 72, 6.083 m
GF: 95 Euro, Cart: k. A.
www.paraparaumubeachgolfclub.co.nz

 

Where to stay

Natürlich hält Neuseeland ein Hotellerie bereit, die allen erdenklichen Komfort bietet. Dazu gibt es manchmal exklusive Super-Lodges direkt am Golfplatz.

Wer den Kontakt zu den Kiwis sucht, findet wunderbare, individuelle B&Bs (Bed&Breakfast), in denen man deren Gastfreundschaft und Herzlichkeit zu jeder Minute erleben kann und die besten Tipps zur Erkundung der Umgebung erhält.

Auckland
Eden Villa B&B: drei stilvolle, große Zimmer in einer 100 Jahre alten Villa in einem ruhigen, zentrumsnahen Vorort mit antikem Mobiliar. www.edenvilla.co.nz

Wellington
Arcorns B&B: zwei moderne Appartements in einem ruhigen Vorort mit Terrasse/Meerblick oder Garten. www.acorns.co.nz

Napier
119 on Georges B&B: zwei geschmackvolle, moderne Zimmer mit Garten und Pool. www.119ongeorges.co.nz

Taupo
The Kinloch Club Lodge: exklusive Luxus-Lodge mit allem nur erdenklichen Komfort. www.thekinlochclub.com
The Pillars Retreat B&B: drei großzügige Zimmer in einem Hazienda-ähnlichen Gebäude mit Garten und Pool. www.pillars.co.nz

Paihia
Talton’s Lodge Luxury B&B: drei moderne Zimmer in einem Terrassenhaus am Hang über der Bucht mit eigener Terrasse, Hotpool und Panorama-Blick auf die Bay of Islands. www.tarltonslodge.com

Millbrook Resort, Queenstown (Foto: Graeme Murray)

Millbrook Resort, Queenstown (Foto: Graeme Murray)

Südinsel

Arrowtow
Das Millbrook-Resort in Arrowtown, 20 Minuten von Queenstown, ist ein mehrfach ausgezeichnetes Golf-Resort und nimmt im Südpazifik-Raum die Spitzenposition ein. Weitläufige, gepflegte Anlage mit großzügigen Studios, Tennisplätzen, einem luxuriösem Spa sowie drei Restaurants, von denen besonders das japanische „Kobe“ zu empfehlen ist. www.millbrook.co.nz

 

 

 

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

GOLFaktuell
Newsletter

Direkt von der Redaktion, alle vierzehn Tage, aktuell und amüsant.

Das hat geklapp!

Pin It on Pinterest

Share This