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Deutsche auf der Tour: Die „Glorreichen 7“?

Deutsche auf der Tour: Die „Glorreichen 7“?

Die Tour spricht deutsch: Die „Glorreichen Sieben“? 

Ist das deutsche Golf wirklich auf dem Vormarsch? Wer traut sich schon, diese Frage zu beantworten? Im Profisport jedenfalls geht es zahlenmäßig nach oben. Ein Verdienst des Verbands? Schwer zu sagen. Golf ist ein Individualsport. Allzu viele neue Strukturen gibt es im Nachwuchsbereich auch nicht zu bestaunen, und die Golfer, die davon profitieren könnten, sind im Grunde noch zu jung. Immerhin: Quantitativ bewegt sich etwas vorwärts.

Viele Namen aber sind bekannt, geistern seit Jahren im Schatten der Vorzeige-Athleten Kaymer und Langer umher. Die Tendenz aber stimmt, so viel steht fest. Sieben Deutsche haben im Jahr 2017 eine Karte für die European-Tour. Alex Cejka spielt auf der US PGA Tour, Bernhard Langer als Dominator bei den Senioren. Und dahinter geht es weiter: Allein zwölf Deutsche können eine Spielberechtigung für die europäische Challenge Tour vorweisen. Darunter schon bekannte Namen wie Moritz Lampert, Dominic Foos, Marcel Schneider oder Philipp Mejow, aber auch Tour-Neulinge wie Max Kramer oder Julian Kunzenbacher, die über die nationale Pro Golf Tour den Sprung nach oben geschafft haben. Nicht zu vergessen der Eichenrieder Stephan Jäger, der sich als Einzelkämpfer auf der Web.com-Tour in den Vereinigten Staaten durchschlägt, der dortigen zweiten Liga. In der Breite sieht das schon mal ganz gut aus. Zum Start in die heimische Saison 2017 blickt GOLFaktuell in der ersten Ausgabe ein wenig genauer auf die deutschen Aushängeschilder.

Wir nennen sie mal die Glorreichen Sieben – getreu dem Western-Klassiker von 1960. Sieben Revolverhelden ziehen gegen Banditen in die Schlacht, um die Bewohner eines armen mexikanischen Dorfes zu schützen, die sie um Hilfe gerufen hatten. Sieben Helden hat nun auch der deutsche Golfsport, die 2017 ausziehen werden, um ihre ganz persönliche Schlacht auf der European Tour zu schlagen. Noch nie zuvor waren es derart viele deutsche Pros. Absolute Newcomer sind Alexander Knappe und Sebastian Heisele, die ihre Rookie-Saison spielen. Auf den Durchbruch hoffen Florian Fritsch und Bernd Ritthammer, die in der Vergangenheit schon die Chance hatten, sich auf der großen Bühne zu präsentieren. Maximilian Kieffer visiert den ersten Sieg an, Marcel Siem sucht den Weg aus seinem Tief heraus. Und für Topstar Martin Kaymer geht es darum, in den Kreis der Champions zurückzukehren.

GOLFaktuell hat die sieben Botschafter des deutschen Golfsports, die ihr Geld in Europa verdienen, nach dem ersten Viertel der neuen Saison einmal unter die Lupe genommen – eine Bestandsaufnahme.

Martin Kaymer

Der Startschuss bei Martin Kaymer fiel mal wieder in Abu Dhabi. Diesen Platz, dieses Turnier liebt der Rheinländer. Von seinen elf Tour-Siegen gelangen ihm alleine drei im Emirat. Dort fühlt sich der Deutsche wohl, die Plätze sind sein Ding. Rang vier in diesem Jahr untermauert das einmal mehr. Zwischendurch hatte Kaymer auch mal wieder eine Siegchance – endlich. Bei der Honda Classic in Palm Beach Gardens wiederholte er diese Platzierung auf der PGA Tour – ein schöner Erfolg. Über eine Einladung des Sponsors war der US-Open-Champion von 2014 ins Feld gerutscht. Und er zahlte das Vertrauen zurück. Der Auftakt 2017 ist schon einmal verheißungsvoll. Kaymer änderte in der Vorbereitung auf die neue Saison seine Strategie ein klein wenig. Er verzichtete auf Heimaturlaub über Weihnachten. Stattdessen trainierte er in seiner Wahlheimat Scottsdale in Arizona. „2014, nach meinem zweiten Majorsieg, habe ich es ein wenig leichter genommen, bin auch zum Skifahren gegangen. Aber man hat es auf dem Golfplatz gesehen.

„Ich hatte ein paar Top-Zehn-Resultate, aber das kleine bisschen, das du zum Siegen brauchst, fehlte einfach“, erklärte Kaymer im Verlauf der HSBC Abu Dhabi Championship. Also Kommando zurück: Fokus auf den Golfsport! Hingabe, die ihn in den ersten Jahren so stark gemacht hatte und kurzzeitig an die Spitze der Golfwelt führte. Dass Erfolge damit nicht automatisch kommen werden, ist für Deutschlands Nummer eins auch sonnenklar. „Siege kann man nicht planen“ – das ist einer der Leitsprüche Kaymers.

„Ich hatte ein paar Top-Zehn-Resultate, aber das kleine bisschen, das du zum Siegen brauchst, fehlte einfach“

Nach dem Winter in Arizona fühlt sich der Düsseldorfer aber auf einem guten Weg. Und die beiden Top-Ergebnisse sieht er als Bestätigung. „Bisher zahlt sich das ergiebige Training aus.“ Bis zum Masters, dem traditionell ersten Höhepunkt der Saison, steht noch das Dell Matchplay im Rahmen der World Golf Championships auf dem Programm.

Alexander Knappe

Man glaubt es kaum: Aber Stand Anfang März ist Alexander Knappe, der Rookie, der zweitbeste deutsche Golfer in der Weltrangliste. Auf Position 127 wird er dort geführt. Die Erfolge auf der Challenge Tour haben es möglich gemacht und ihn nach vorn katapultiert. Vor exakt einem Jahr hatte er noch jenseits der 700 gelegen. Ein steiler Aufstieg des 28-Jährigen aus Paderborn. Knappe – eine neue Hoffnung im deutschen Golfsport. Danach sah es Ende 2015 gar nicht mehr aus. Rückenprobleme zwangen ihn in die Knie. „Ich war bei zwei Ärzten, und es wurde nicht besser“, blickt er zurück. Dann erhielt er den entscheidenden Tipp von Dr. Müller-Wohlfahrt. Jawohl, dem ehemaligen Arzt des FC Bayern. Ausgerechnet. Schließlich ist Knappe bekennender und glühender Borussia-Dortmund-Fan. Egal. „Das Team dort hat nur zwei Stunden gebraucht, um zu sehen, was mit mir los ist.“ Die Bandscheiben waren’s.

Es folgten fast drei Monate intensiver Behandlung. „Dann sagte er mir, er glaube, dass ich eine großartige Saison haben werde, da ich vollkommen geheilt sei.“ Der Doc behielt Recht. Knappe startete durch. Im Juni in der Schweiz gleich der erste Sieg auf der Challenge Tour. Es folgten acht Top-Ten-Ergebnisse sowie ein weiterer Triumph in China. Als Nummer drei der Challenge Tour stürmte er in die Eliteklasse. „Es war immer mein Traum, auf der European Tour zu spielen“, sagt Knappe. „Nun habe ich ihn mir erfüllt. Ich habe vorher schon ein paar Turniere auf der Tour gespielt, aber das ist viel größer, das ist eine volle Saison. Du spielst gegen die, die du bisher nur am Fernseher verfolgt hast.“ Der Start verlief nicht schlecht für Knappe: Bei den ersten fünf Start schaffte er dreimal den Cut, hat schon mehr als 33.000 Euro auf den Konto. So kann es weitergehen.

Bernd Ritthammer

Was lange währt, wird endlich gut … Trifft dieses Sprichwort auf Bernd Ritthammer zu? Man kann es ihm nur wünschen. Einen langen Atem hat der gebürtige Nürnberger und jetzige Wahl-Münchner in seiner Golf-Karriere in jedem Fall schon bewiesen. Mehr als sechs Jahre musste er auf seinen ersten Erfolg auf der Challenge Tour warten, der 2016 endlich kam. Es folgte der Durchbruch in der zweiten Liga. Beim Finale im Oman vollendete er das Kunstwerk der vergangenen Saison. Dritter Sieg und direkt ab auf die European Tour – das ist bisher nur zehn Spielern gelungen, darunter zuletzt Brooks Koepka und Kristoffer Borberg. Der Turnier-Hattrick bescherte ihm gar eine höhere Kategorie als dem Gesamtsieger der Challenge Tour. Damit ist der 29-Jährige nun wieder drin im Geschehen der Großen – zum dritten Mal. 2012 hatte er die erste Bewährungschance. Er konnte sie nicht nutzen. 13 Starts – 13 verpasste Cuts, nicht einen Euro gab es für Ritthammer. 2015 lief es ein wenig besser. Da kam er sechsmal in den Preisgeld-Bereich, kam auf knapp 120.000 Euro. Reichte aber nicht als 149. der Tour-Rangliste. Nun also der nächste Anlauf.

Woher der Erfolg kommt? Ritthammer hat Vermutungen. „Der erste Sieg hat mir geholfen, keine Frage. Aber seit einem Jahr arbeite ich mit einem neuen Mentalcoach zusammen, das war sehr wichtig.“ Dazu kam ein neuer Fitness-Trainer. „Jeder Teil meines Spiels ist jetzt besser. Ich denke, ich habe den nächsten Schritt getan.“ Auch einen Manager hat er nun. Die Eltern, die ihn schon mit drei Jahren zum Golf brachten, sind aber weiterhin im „Backoffice“ tätig, wie er es nennt. In der Saison 2017 ist er bisher jedoch noch nicht so richtig angekommen. Im ersten Turnier, noch im alten Jahr, packte er den Cut, erspielte sich 18 800 Euro. 2017 hat es erst beim sechsten Anlauf wieder geklappt.

Maximilian Kieffer

Zwei fünfte Plätze – das war’s 2016. Zu wenig für Maximilian Kieffer. Daraus macht er kein Geheimnis. „Das Jahr war nicht so erfolgreich, wie es mir gewünscht hätte“, sagt der 26-Jährige ganz klar. „Ich bin nicht wirklich nah an meinen ersten Turniersieg herangekommen.“

Kieffer vergleicht seine Leistungen selbst sehr kritisch mit der Saison davor. 2015 – da sah es aus, als hätte Kieffer den Durchbruch geschafft. Immer wieder war er nahe dran am ersten Siegerpokal. Der nächste Schritt, ein Turniersieg, gelang ihm jedoch nicht. Der fehlt ihm in seiner Vita. „Das ist mittlerweile mein klares Ziel, das ich bald erreichen möchte“, bestätigt er selbst. Dafür hat er mit seinem Coach Ted Long in der Pause hart gearbeitet. Der Start in die neue Saison verlief solide. Bei sechs Turnieren verpasste er nur in Katar den Cut. Zwei Top-15-Plätze in den stark besetzten Spielerfeldern von Abu Dhabi und Dubai füllten die Reisekasse schon mal ganz ordentlich.

„Das Jahr war nicht so erfolgreich, wie es mir gewünscht hätte“

Bei den Tshwane Open pirschte er sich nach verhaltenem Start von hinten noch in die Top 20. Kieffer selbst ist zuversichtlich, „an den richtigen Stellschrauben“ gedreht zu haben, er spricht von „voller Motivation“. Auch die neue Konstellation auf der Tour bereitet ihm viel Spaß: „Je mehr Deutsche auf der Tour sind, umso cooler die Stimmung.“ Wohlfühlatmosphäre also. Das kann nur helfen bei der Jagd nach dem ersehnten Premieren-Erfolg.

Florian Fritsch

Irgendwie ist er ja der Phil Mickelson des deutschen Golfsports: Man muss ihn einfach mögen, den Florian Fritsch. Klar, er ist auch ein Denker und Grübler. Aber der zweifache Familienvater hat ein sonniges Gemüt. Man freut sich einfach mit ihm, wenn er ein Bild postet, wie ihm sein Sponsor ein neues Auto vor die Tür gestellt hat, mit dem er die langen Touren durch Europa in Angriff nehmen kann. Das Thema Flugangst ist ja hinlänglich aufgearbeitet. Fritsch stellt sich der Herausforderung, akzeptiert, dass er weniger Turniere spielen kann als seine Kollegen. Genau das macht ihn so einzigartig in der Szene. Es gibt sicher wenige, die dem 31-Jährigen seine Erfolge nicht gönnen. Seine Tourkarte hing in der vergangenen Saison buchstäblich am seidenen Faden. Das Bangen um den Cut beim Portugal Masters, seinem letzten Wettbewerb der Saison, vergisst man so schnell nicht. In den letzten Minuten rutschte er ins Wochenende, strich so in Vilamoura die letzten Euros ein, um am Ende als 101. der Geldrangliste beruhigt in Richtung 2017 blicken zu können.

Fritsch ist einer, der sich mit dem deutschen Golf identifiziert. Er engagiert sich für Aktionen wie „Birdies für Bildung“ seiner Pro-Kollegen Christoph Günther und Marcel Haremza, ist nun Botschafter von „Gemeinsam Golfen“, ja und er spielt auch – wenn es geht – in der Deutschen Golfliga für seinen Club St. Leon-Rot. Im vergangenen November war er sogar beim Saison-Abschlusstrip in Terre Blanche dabei. Dass er die Auszeichnung zum „Spieler des Jahres“ der PGA of Germany verdient hat – daran gibt es keine Zweifel. Auf der European Tour hat er heuer noch keinen Fuß auf ein Fairway gesetzt. In Marokko bei der Trophée Hassan II wird er Mitte April angreifen. Der Mittlere Osten, Südafrika – für ihn schlichtweg nicht erreichbar. Dafür verabschiedete er sich gleich Anfang Februar zum Training nach Spanien. Dort bestritt er auch zwei Turniere der Ecco-Tour, der skandinavischen Version der deutschen Pro Golf Tour. Und tatsächlich feierte er im PGA Catalunya Resort gleich den ersten Sieg. Sein Höhepunkt dabei: Eine 60er-Runde, die auf Bahn 18 sogar beinahe eine 59 geworden wäre. Der Putt ging knapp vorbei.

Marcel Siem

Was ist los mit dem Ratinger? Eine Frage, die zumindest er selbst hoffentlich beantworten kann. Der 36-Jährige durchlebt mal wieder eine harte Phase in seiner Golfkarriere. Er ist ja der deutsche Dauerbrenner auf der European Tour, geht 2017 in seine 16. Saison. Irgendwie hat er es immer gepackt. Doch auf ein „Irgendwie“ hat einer wie Siem ganz sicher keinen Bock. Vier Siege hat er in den vielen Jahren angesammelt. Unvergessen der Auftritt beim BMW Masters 2014 in Shanghai, das er nach einer Knie-Operation gewann. Siem war dran an den Top-50 der Welt, hatte Hoffnungen, endlich mal den Sprung zum US Masters zu schaffen. Doch es kam die Trendwende. 2016 gab es zwei Top-Fünf-Resultate, zumindest hatte er so keine Probleme, die Tourkarte zu halten.

Doch Siem will mehr, ganz klar. Er will zurück in den Kreis der Sieger. Die Weltrangliste führt ihn aktuell jenseits der 400. „Die letzte Zeit war nicht gerade einfach“, räumt er ein. Umso wichtiger für ihn, dass seine Sponsoren zu ihm stehen. In diesem Jahr präsentierte er gar einen neuen Partner. „Das ist eine große Motivation.“ Vor Kurzem nun überraschte er seine Fans auf Facebook mit der Nachricht: „Der Pferdeschwanz ist wieder da.“ Ein früheres Markenzeichen Siems. Fünf Wochen hat er sich in Florida auf die Saison 2017 vorbereitet. „Ich bin wieder gesund und treffe die Kugel echt gut“, gab er sich optimistisch vor dem Auftakt in Südafrika. Dass der Weg zurück an die Spitze der Leaderboards ein harter ist, zeigt sich an seinem Beispiel aber sehr deutlich: Erst in Malaysia, beim fünften Start, schaffte er den ersten Cut, wurde dort nach einem Top-Start am Wochenende noch ein wenig nach hinten gereicht. Beim zweifachen Familienvater heißt es Daumendrücken. Siem ist einfach ein Typ, wie ihn das deutsche Golf braucht: extrovertiert und leidenschaftlich.

Sebastian Heisele

Der zweite deutsche Rookie auf der European Tour. Für viele ein großer Unbekannter. Groß in jedem Fall. Denn mit seinen 2,01 Metern ist Heisele eine imposante Erscheinung. Geboren in den Niederlanden, aufgewachsen in Dubai, lebt er nun in München – damit bringt der 26-Jährige eine sehr interessante Vita mit. Als 17-Jähriger verabschiedete er sich in die David-Leadbetter-Akademie nach Florida. In den Vereinigten Staaten blieb er bis 2011, studierte an der Universität in Boulder/Colorado. In Deutschland startete er 2010 erstmals auf der damaligen EPD-Tour. 2011 feierte er als Amateur seinen ersten Sieg – ein Kunststück, das zuvor nur Martin Kaymer gelungen war. Gleich im Januar entschied er sich für die Profi-Karriere. Die beiden ersten Jahre aber verliefen zäh. Die Qualifikation für die Challenge Tour wollte ihm nicht gelingen.

Heisele suchte Hilfe bei einem Sportpsychologen. Das fruchtete. Es ging bergauf. Gleich 2014 packte er den Sprung in die zweite Liga. 2016 verpasste er die Direkt-Qualifikation für die European Tour nur noch knapp als 28. Über den Umweg Tour-School klappte es aber doch. Heisele bewies ein gutes Nervenkostüm und einen langen Atem über die sechs Runden im PGA Catalunya. Nun ist der bekennende FC-Bayern-Fan in der Elite angelangt. Und zwei schöne Schecks hat er schon kassiert, zweimal den Cut geschafft. Die Basis ist gelegt. Nun muss es weitergehen.

 

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