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Christian Lanfermann: Golftraining mit Kindern

Christian Lanfermann: Golftraining mit Kindern

Früh übt sich, was ein Meister werden will. Doch wie trainiert man mit Kindern? Christian Lanfermann weiß Rat …

In meiner täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fällt mir immer wieder auf, dass wir unsere Rolle als Eltern von Sportkindern noch optimieren können. Keiner verbringt mehr Zeit mit Ihrem Kind als Sie selbst. Doch auch da können gewisse Gefahren lauern, die die Arbeit für uns Trainer nicht unbedingt leichter machen.

Ich bin selbst Vater von zwei Kindern, von denen eins gerade mit Golf angefangen hat. Naja – ob man das schon Golfspielen nennen kann, weiß ich selbst nicht. Wenn mein Sohn (4) mich auf der Anlage besucht, kommt er ganz stolz mit seinem Putter und dem kleinen Eisen 7 an und will Bälle „schießen“. Meistens endet das nach fünf Stück, die er schlägt, wie ihm gerade der Sinn steht. Und glauben Sie mir, wie gerne würde ich ihm in diesem Alter schon Tipps geben. Doch ich lasse ihn alles selber herausfinden in der Hoffnung, dass er nächste Woche wiederkommt und dann noch mehr Spaß hat.

Wenn ich Zahnschmerzen habe, dann gehe ich nicht zum Bäcker

Vor kurzem musste ich wieder erleben, wie ein Vater seiner Tochter das Golfspielen beibringen wollte. Er machte mir einen sehr engagierten Eindruck, sein Schwung sah gut aus und die Bälle flogen weit. Seine Tochter war wohl zwischen acht und zehn Jahre alt und hat augenscheinlich gerade mit dem Golfen angefangen.

Nachdem die ersten fünf Bälle nicht so geflogen waren, wie es der Vater sich vorgestellt hatte, folgten prompt die ersten Ratschläge. Klar – frisch motiviert von der letzten Trainerstunde und nun wissend, wie der Golfball fliegt, ist das Unterrichten des eigenen Kindes ein Kinderspiel …

Schnell folgten Tipps wie „Schaue nicht zu früh hoch!“ oder „Der linke Arm muss gerade bleiben!“ . Aber was passiert, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt? Das Kind stößt schnell an seine Frustgrenze, das Training macht keinen Spaß mehr und wird schnell zur Qual.

Die Expertenfrage

Kinder machen gerne auf sich aufmerksam und möchten Eltern und Trainer stolz machen. Wenn Sie Ihrem Kind nun „kluge“ Tipps geben, wie der Ball besser fliegt, bewirkt dies eher das Gegenteil: Sie setzen Ihr Kind unter Druck, da Sie ihm die vermeintliche Lösung vorgegeben haben und die Bälle immer noch nicht fliegen. Was denkt in diesem Moment Ihr Kind von sich? „Jetzt sagt mir Papa, wie es geht, und ich kann es immer noch nicht umsetzten.“

Lassen Sie Ihren Trainer den Experten für Ihr Kind sein – er kennt im Normalfall die Stärken und die Entwicklungspotentiale Ihres Kindes am besten. Empfehlen möchte ich Ihnen an dieser Stelle, zu Beginn einer Golfsaison das Gespräch mit Ihrem Trainer zu suchen. Fragen Sie ihn unter anderem, wie Ihr Kind im Sport handelt und wie es sich verhält. Was Ihr Kind gut bzw. gerne macht und in welchen Bereichen es sich noch entwickeln kann. Machen Sie sich vor dem Gespräch auch Gedanken über die mittel- bis langfristige Entwicklung Ihres Kindes. Wo könnte es vielleicht in fünf bis zehn Jahren im Golfsport stehen? Und wer weiß, vielleicht deckt sich die Einschätzung des Pros ja mit Ihrer persönlichen?

Lernen erfolgt durch Neugier und Herausfinden

Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie als Kind gelernt haben, aufzustehen, nachdem Sie hingefallen sind? Ich nicht. Aber vielleicht haben Sie das ja auch gar nicht explizit erklärt bekommen, sondern es durch Ausprobieren selbst herausgefunden? Sie sind dabei sicher immer wieder hingeflogen und haben einen leicht veränderten, neuen Weg probiert – angetrieben von der Neugier und der Lust, wieder zu stehen.

Genau das erlebe ich als Trainer immer wieder als große Hürde im Umgang mit Kindern im Golf. Ein guter Trainer unterrichtet nicht nach der „richtig oder falsch“-Methode. Ein guter Trainer forciert die Neugier und das eigenständige Denken und Lösen von gewissen Situationen auf dem Platz. Dabei geht es nicht um DIE Lösung, sondern um die individuell beste Lösung. Egal, wie unterschiedlich unsere Handschriften sind, am Ende kann immer das gleiche Wort stehen.

Stellen Sie Ihrem Kind lieber Aufgaben wie „Probiere mal, einen hohen Pitch zu spielen!“ oder legen Sie Ihrem Kind einen Ball einfach mal zirka 40 Meter vor dem Grün in ein Divot und fordern Sie es auf, den Ball in Richtung Fahne zu spielen.

Solche Momente sind unbezahlbar. Warum? Weil Ihr Kind gerade eine neue Erfahrung gemacht hat. Es hat was Neues gelernt.

Alternativtext Christian Lanfermann

Christian Lanfermann

Christian Lanfermann

Christian Lanfermann ist seit 2013 im Hamburger Golf Club e.V. – Falkenstein
Leistungsportkoordinator und Trainer der AK 18, 16 & 14 Mädchenmannschaft.
2014 hat er mit der Damenmannschaft die Bronzemedaille in der DGL gewonnen.

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