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Bassano: Grappa, Golf und Carbonara

Bassano: Grappa, Golf und Carbonara

Ein Ausflug nach Bassano del Grappa:

Nichts gegen Golf am Gardasee, oder in Südtirol. Ehrlich nicht! Aber wer noch eine gute Stunde weiterfährt, spielt schon im Herzen von „Bella Italia“. Und erlebt anspruchsvolles, abwechslungsreiches Golf…

Italien-Liebhaber kennen den Effekt: Nach einer schier unendlichen Fahrt durch die Alpen, die italienische Grenze auf dem Brenner ist längst passiert, weichen urplötzlich die Gebirgszüge, der Blick fällt auf eine bis zum Horizont reichende Ebene – und da liegt das wunderbare Verona. Erst jetzt bist du wirklich in Italien, dem „Land, wo die Zitronen blühn“.

Für das heutige Reiseziel wäre das ein Umweg. Wer ihn in Kauf nimmt, kann nach der geballten Ladung Kunst und Kultur rund um die weltberühmte Arena di Verona auch recht gepflegt Golf spielen. Der Golf Club Verona in Sommacampagnia hat einen gut gepflegten, schönen Parkland Course. Unweit von ihm lockt der Golf Club Villafranca mit sehr günstigen Greenfees – er hält aber in Sachen Pflegezustand nicht mit dem Nachbarn mit.

Die hölzerne „Ponte degli Alpini“ in Bassano führt – natürlich – von einer Destillerie zur anderen.

Wer es für seinen Kurzurlaub, und die nötige Dosis „Bella Italia“, etwas ländlicher – und landschaftlich reizvoller – mag, der verlässt die Autobahn schon in Trient und hält sich südöstlich auf der SS 47. Eine Stunde später erreicht man Bassano del Grappa. Die Fahrt aus Verona dauert ebenfalls eine gute Stunde.

Die Gegend um die Hauptstadt des Tresterbrandes, entlang uralter Handelsstraßen am südlichen Alpenrand, stellt landschaftlich wie kulturell die Schnittstelle zwischen dem Tiroler Alpenland und der ur-italienischen Po-Ebene dar. Hier wurden die böhmischen „Nockerln“ zu italienischen „Gnocchi“, hier schweift der Blick über die romanischen Fassaden auf der italienischen Piazza mit der unvermeidlichen venizianischen Markus-Säule – und kann doch im Hintergrund das mächtige Dolomiten-Massiv ausmachen.

Marostica, Piazza Castello. Alle zwei Jahre wird hier ein Schachspiel mit lebenden Figuren ausgetragen.

Die Alpennähe macht die Gegend auch für italienische Urlauber interessant, so dass kein Mangel an Unterkünften jeder Sterneklasse herrscht. Bassano del Grappa mit seinen gut 40.000 Einwohnern ist ein fast schon mondäner Urlaubsort mit unzähligen Hotels und erstklassigen Restaurants. Die kleineren Orte in der Umgebung, allen voran Marostica, Borso del Grappa und das achteckig angelegte Romano d‘Ezzelino sind ruhiger und idyllischer.

Ein paar Kilometer Richtung Gebirge – schon prägen Zwiebeltürme und alpines Fachwerk die Architektur. Ebensoweit nach Süden, und man ist eine einem typische Dorf in der Po-Ebene, in dem jederzeit Don Camillo und Peppone um die Ecke kommen könnten.

Entsprechend abwechslungsreich ist auch das Golf-Erlebnis, das auf den vier Plätzen im Umkreis um Bassano del Grappa geboten wird.

Der Golf Club Castelfranco Ca‘ Amata liegt gut zwanzig Kilometer südöstlich von Bassano, an der Straße zwischen Vicenza und Treviso. Er wurde 1993, erkennbar ohne Rücksicht auf die Kosten, in der brettflachen nördlichen Po-Ebene auf 75 Hektar Parkland einer historischen, denkmalgeschützten Villa gestaltet. Aber auch das neuere, im romanischen Stil erbaute Clubhaus samt seiner herrschaftlichen Zufahrt würde anderswo locker als kurfürstlicher Landsitz durchgehen.

Golf Castelfranco Ca‘ Amato mit seinem fürstlichen Clubhaus

Der Parcours des italienischen Star-Architekten Marco Croze ist sehr weitläufig und zeigt, dass die reichen Wasservorkommen der Gegend nicht nur zum Reisanbau genutzt werden können: ein ausgefuchstes Kanalsystem führt Wasserhindernisse an elf der 18 Löcher.

Wenigstens droht auf dem Trockenen kaum Ballverlust; breite Fairways führen durch einen gepflegten Park ohne viel Rough oder Unterholz. Erst auf den – teils recht kleinen – Grüns droht wieder Ungemach. Sie sind perfekt in Schuss, aber hoch onduliert. Die größten Höhenunterschiede auf dem ebenen Platz warten, sozusagen, vor dem Loch.

Gut, wer den nicht einfachen Platz ein zweites Mal spielen kann, nachdem er sich mit den anspruchsvollen Grüns vertraut gemacht hat. Aber auch der erste Besuch bietet sehr gediegenes Golf in eleganter Atmosphäre.

Im Circolo Golf Asiago, 33 gebirgige Kilometer Richtung Nordwesten in die Alpen, wartet ein Kontrastprogramm. Jetzt geht es steil hinauf bis zu einem alpinen Hochplateau, dessen Unzugänglichkeit seine „Sieben Gemeinden“ mit ihre bayerischen (!) Siedlern jahrhundertelang von der Außenwelt abschirmte. Erst Napoleon zwang die Alpengemeinden in sein Königreich Italien. Asiago wirkt wie ein österreichisches Wintersportidyll, nur reicher und nobler. Die von der alpinen Welt faszinierten italienischen Urlauber haben die Ortschaft zu einer Art norditalienischem Aspen gemacht.

Golf Club Asiago, Blick vom Clubhaus auf die alpine Hochebene

Der Platz von Peter Harradine ist hügelig, aber nicht so bergig, wie man es nach der Anfahrt erwarten würde – er liegt eben auf einem Hochplateau. Aber eng ist er! Wer die Überraschung überwunden hat, nach weitläufigem Golf in der Po-Ebene nunmehr durch einen alpinen Nadelwald spielen zu müssen – der blickt auf schmale Schneisen im Gehölz, auf der eine Postkutsche die andere kaum überholen könnte.

Aber der Ausflug lohnt sich jedenfalls. Allein die teils schon skurille Bergbauern-Romantik des Urlaubsortes mit Fachwerkhäusern und Kunststoff-Kühen am Clubhaus sind eine Reise wert.

Und auch das Spiel in dem sehr angenehmen, entspannten Club macht großen Spaß, auch wenn man manchen Ball unter den mächtigen Tannen hervorspielen musste. Nicht zuletzt: Das Restaurant Longalaita bietet eine wirklich erstklassige Küche. Wer dachte, „Pasta alla Carbonara“ („Nach Art der Köhlerin“, was sonst in dieser Gegend!) sei ein zu gewöhnliches Gericht – den belehrt Küchenchef Sabino eines Besseren. Zum „reinlegen“!

Eine eindrucksvolle Umgebung, ein schönes Spiel durch den Wald mit einigen kitzligen Bahnen und sehr freundliches Personal im Club wie im Restaurant. Unbedingt hinfahren!

Im Asolo Golf Club, zwanzig Kilometer östlich von Bassano gelegen, wird es wieder deutlich exklusiver. Für den ehemaligen „Milliardärs-Club“ wurden 27 Löcher in eine Hügellandschaft gelegt, die in beliebiger Kombination gespielt werden können.

Bei diesem Club wurde an nichts gespart – eine schwerreiche Industriellenfamilie erbaute die Anlage in den 1990ern ursprünglich nur für sich und ein paar solvente Freunde. In der geschlossenen Gesellschaft traf sich damals die Crème de la Crème der Wirtschaft von Verona bis Venedig.

„Im Clubhaus bedienten Butler mit Smoking und weißen Handschuhen“, erzählt Marco Rustaggia, „Direttore Sportivo“ des Clubs.

„Aber die Finanzkrise hat uns in Italien schwer erwischt. Die Firmenmitgliedschaften wurden immer weniger. Und so wurde beschlossen, dass wir uns für Gastspieler öffnen.“ Der Präsident heißt zwar immer noch GIlberto Benneton, und die Sponsorenlogos auf dem Gelände lesen sich wie ein „Who is Who“ der italienischen Wirtschaft. Allein, weißbehandschuhte Butler kann man nicht mehr sehen.

Asolo Golf Club, Bahn 9 des Platz „Verde“, auf das noble Clubhaus zu.

Dafür einen erstklassigen, schön in die Natur gelegten Parkland-Course. Alle drei Schleifen sind gekonnt und interessant angelegt, mit listigen Bunkern, mit Wasser da und dort, doch insgesamt ist der Platz eher gutmütig. Seine Stärken sind das gelassene Ambiente, die tolle Pflege, die schöne Landschaft  – und das Gefühl, auf einem Platz für Superreiche zu golfen, für den einem vor wenigen Jahren noch die eine oder andere Milliarde auf dem Konto gefehlt hätte.

Wer sich von den überdimensionierten Facilities mit der Eingangshalle eines Grand-Hôtels nicht einschüchtern lässt, genießt in Asolo schöne Golfrunden mit Ausblick – und wird wiederkommen, um die 27 Loch vollzumachen.

Der Golf Club Colli Berici bedeckt quasi einen runden Bergrücken, an die 60 Kilometer südwestlich, an Vizenza vorbei. Man fährt knapp eine Stunde, aber der sehr hügelige Parkland Course belohnt mit spektakulären Abschlägen und herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Täler und Hügel. Es geht ordentlich auf und ab auf dem Parcours, hier ist ein Golfcart doch sehr zu empfehlen.

Blick von Tee 3 im Golfclub Colli Berici

Nur Par 70, nur knapp 5.200 Meter – aber davon darf man sich nicht täuschen lassen. Der Platz ist sehr abwechslungsreich, mit Abschlägen weit in die Tiefe, wunderschönen Par 3, weiten Ausblicke über die Täler und Hügel. Da kommt eine malerische Burgruine in das Blickfeld, dort erkennt man in der Ferne schneebedeckte Alpenkämme – ein fesselnder Golf-Parcour in einer faszinierenden Landschaft. Nur viermal Par 5, aber Bahn 17 hat immerhin 539 Meter.

Colli Berici heißt Gäste sehr willkommen, ist aber weitab davon, als Touristenmagnet oder gar exklusives Resort zu wirken. Auf den Punkt gebracht: Willkommen zum Gästegolf bei Freunden, in einem tadellos geführten, mitgliederfinanzierten Club. Der leutselige Geschäftsführer Carlo Molon schwärmt von seinem Club, seiner Heimat, er schwärmt vom Wein, von der Küche, von Italien… Wenn Sie ihn sehen, lassen Sie sich gute Winzer und Olivenbauer in der Gegend empfehlen, und folgen Sie seinem Rat. Grüßen Sie ihn von GOLFaktuell!

Fazit: Italien ist überall schön, vom Brenner bis nach Sizilien. Und ganz gewiss gibt es überall schöne Golfplätze. Aber der schnellste Weg mitten ins Italien-Feeling führt – bei Trient rechts weg, Richtung Bassano di Grappa. Sie sollten die Gegend wirklich mal besuchen.

Buon divertimento!

 

Golfclub Colli Berici, Bahn 10, Par 3.

Die Plätze

Golf Club Asiago
Design: Peter Harradine
18 Loch, Par 72, 5.689 m
Greenfee € 50, Juli/August € 80
www.golfasiago.it

Asolo Golf Club
Design: Stan Ebby
9 Loch „Rosso“, Par 36, 2.979 m
9 Loch „Giallo“, Par 36, 3.077 m
9 Loch „Verde“, Par 36, 2.931 m
Greenfee € 65 (Mo.-Fr.) bis € 80 (Sa./So.)
www.asologolf.it

Golf Castelfranco Ca‘ Amato
Design: Marco Croce
18 Loch, Par 71, 5.801 m
Greenfee € 60 (Mo.-Fr.) bis € 70 (Sa./So.)
www.golfcaamata.it

Golf Club Colli Berici
Design: Marco Croce
18 Loch, Par 70, 5.193 m
Greenfee € 50 bis € 70
www.golfclubcolliberici.it

Golf Club Verona, Abschlag 10

Bassano del Grappa

Bassano, wörtlich „geduckt“, liegt am Südrand der Alpen am Eingang des Suganertales. Der mächtige Monte Grappa, südlichster Ausläufer der Dolomiten, überragt den Ort. Ob er auch dem berühmten Tresterbrand seinen Namen gab, ist umstritten - jedenfalls findet man im mittelalterlichen Zentrum der 40.000-Einwohner-Stadt an jeder Ecke Destillerien, Verkäufe und Ausschänke der hochprozentigen Spezialität.

Dem Grappa ist auch ein kleines Museum (Poli Museo della Grappa) gewidmet. Hauptattraktion ist die hölzerne mittelalterliche „Ponte degli Alpini“, die den italienischen Gebirgsjägern gewidmet ist – die Elitesoldaten bauten sie nach ihrer Zerstörung im II. Weltkrieg wieder auf.

Die Region gilt als kulinarisches Mekka mit Einflüssen sowohl der italienischen als auch der alpenländischen Küche. Wegen der Nähe zu den Alpen ist sie ein beiebtes Urlaubsziel der Italiener und touristisch wie infrastrukturell gut erschlossen. Wer, von Deutschland kommend, bei Trient die Autobahn verläst, erreicht Bassano in gut einer Stunde.

http://www.bassanodelgrappa.gov.it

Das Clubhaus des CG Asiago bietet erstklassige Küche.

Golf Club Verona, Abschlag 10

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